5.10.2005, Schwimmbad Musikclub Heidelberg.

Bong dingi bang. Nach so einer vielsagenden Begrüßung durch da Mouse werden wir von ihm in den Backstageraum, der eher wie ein Mauseloch wirkt, gebeten um hier unserer Interview zu führen. Nachdem sich der muskulöse 2-Meter-Mann beim Soundcheck nach jedem Tune mit Liegestützen aufgewärmt hatte, („normalerweise stemme ich Gewichte, aber auf Tour geht das schlecht“, meinte er später zu uns), war er warm genug und bereit, sich unseren Fragen zu stellen. Halt, ganz bereit doch noch nicht. „Eine Kamera? Moment, dann muss ich noch schnell meinen Hut holen, damit ich gut aussehe!“ Also vielleicht doch etwas eitel? Naja, Hut da, o.k., los geht’s.
Nach einer kurzen Vorstellung, er ist da Mouse, kommt aus Jamaika, singt seit vielen Jahren usw., erzählt er uns dann erstmal wo sein Name herkommt. Für diejenigen, die es noch nicht wissen, in seiner Jugend wettete er immer auf ein gleichnamiges Pferd, welches jedoch tragischerweise immer verloren hat, also gab er es irgendwann aus Geldmangel auf. Natürlich hat es seither gewonnen. Auf unsere Nachfrage betont er jedoch, dass er dem Pferd nicht böse sei, es war ja schließlich nur ein Spiel. "Das Pferd wird nun wahrscheinlich schon längst in Rente sein...", fügt er schmunzelnd hinzu. Interessant ist seine Angewohnheit, jede Antwort mit einem „biddi di beng" oder ähnlichem zu beenden, bestimmt schon für viele Journalisten der rettende Anker gewesen, die mit seinem doch recht rauhen Patois Verständnisproblem hatten, den Einsatz für die nächste Frag nicht zu verpassen.
Wir erfahren einiges über seine Zusammenarbeit mit verschiedenen Labels und Produzenten wie Linval Thompson, Joe Gibbs und seinem Mathelehrer, mit dem er in den 70ern seine ersten 2 Tunes (damals noch unter seinem richtigen Namen Ripton Joseph Hylton) veröffentlicht hatte. Dass er uns, als wir den Namen der Tunes erwähnen, diese sogleich vorsingt, sollte uns in der nächsten halben Stunde noch öfter passieren, was das Ganze sehr angenehm gestaltete.
1996 trat er auch selbst als Produzent in Erscheinung weil er es leid war, dauernd Vorschriften zu bekommen. So entstand das selbstproduzierte Album „Black Cowboy“. Mit diesem ging er dann touren, mit bis zu 250 Gigs im Jahr wurde es ihm dann aber doch etwas zu viel und "heute würde er dies nicht mehr machen."

Aber keine Angst, er wird trotzdem immer weiter touren! "Nach der jetzigen Europatour folgt eine durch Asien, dann ist erst mal wieder Ruhe", aber "solange er zwischendurch genug Pause hat wird er auch wieder unterwegs sein." Wer schon so lange wie er im Business ist macht halt nicht so schnell schlapp, wie uns schon viele andere Veteranen bewiesen haben.
Wir sprechen ihn auf seinen einzigartigen Style an, der so charakteristisch für ihn ist. Auch wenn ihn viele als den Erfinder des Singjaying bezeichnen, sieht er sich selbst eigentlich nicht so, mit einem Grinsen antwortet er uns „er sei einfach unique“, stimmt der Aussage dann letztendlich aber doch zu.
Nachdem wir uns über seine erste Filmrolle in „New Jack City“ unterhalten haben erklärt er uns noch, dass er Steve Segal’s Rollenangebot für „Marked To Death“ ablehnte, weil er mit der Porträtierung der Jamaikaner nicht einverstanden gewesen war, da es schließlich noch andere Sachen wie Gewalt und Leute erschießen gäbe.

Nach der Frage seiner Lieblingsfilme kommt er ins Grübeln, meint dann aber "Samson and Delilah" mit Victor Mature, dass er aber auch "gerne Star Wars sieht" und "überhaupt, dass Filme gutes Entertainment sind.
"
Nach einer halben Stunde, die auch von Seiten der Mouse sicher noch gerne verlängert worden wäre, entschlossen wir uns dann, ihn doch wieder der Band zu überlassen, die nach dem langen Soundcheck sehr hungrig auf ihn wartete, um sich noch beim Griechen zu stärken. Schließlich lud er uns noch auf das abendliche Konzert ein, verabschiedete sich und bedankte sich auch seinerseits für den Support. An solchen Umgangsformen könnten sich einige Artists ein Beispiel nehmen…

Stunden nach dem Interview füllte sich der etwas klein anmutende Konzertraum schon recht früh am Abend. Nach einigen von Eek A Mouse´s Band Vitamin X (Big up!) dargebotenen Tunes waren die Besucher auch schon gut aufgewärmt und begrüßten den 6 Feet 6 Inch Man mit großem Beifall als er die, für eine echte Maus vielleicht ausreichende für ihn jedoch viel zu kleine, Bühne betrat. Gestylt wie ein Handwerker auf der Walz („die Deutschen sind Arbeiter und da ich heute Abend auch arbeite werde ich auch Arbeitsklamotten tragen“), macht er gleich einen viel harmloseren Eindruck als noch heute Nachmittag im zerrissenen Netzhemd. Doch an Imposanz hat er nicht verloren, auch wenn die Bühne sehr niedrig war, Da Mouse wirkt, im Widerspruch zu seinem Namen, einfach immer riesig. Er begeisterte die Fans mit seinem ganzen über die letzten 35 Jahre angesammelten Repertoire, überließ einem von ihnen sogar das Mikrofon, der auch sogleich weitersang, was ihm großen Beifall einbrachte. Nachdem da Mouse seine Arbeit wieder selbst aufgenommen hatte, folgte Hit auf Hit, immer wieder durch Fragen nach dem Befinden des Publikums unterbrochen, das auch nicht verschont wurde und immer wieder mitsingen sollte. Nach über 1,5 Stunden Show gab es dann auch noch die vom Publikum lautstark eingeforderten Zugaben wie seinen Tophit „Wa do dem“. Am Ende sind dann wohl alle völlig ausgepowert, aber glücklich nach Hause gefahren, um am nächsten Tag, nach 5-6 Stunden Schlaf, wieder selbst zu arbeiten. Manchmal ist das Leben eben hart - hart aber schön. Da Mouse hatte jetzt erst mal Feierabend, konnte die Arbeiterkluft niederlegen und im Hotel ausschlafen. Es sei ihm gegönnt - ein tolles Konzert und ein sehr nettes Interview!

An dieser Stelle sei auch noch mal Mr. Eek A Mouse persönlich, Alwin Heim, Manuel und Uwe sehr herzlich für die nette Unterstützung gedankt!

Für jeden der gerne das Originalinterview hören möchte gibt es 2 Möglichkeiten: Am Sonntag, den 16.10.2005 von 19-20.30 Uhr in der Darktales Radioshow auf Raggakings.net oder am Mittwoch, den 19.10.2005 von 16-17 Uhr auf Radio Bermudafunk, wo auch ein Online-stream für diejenigen die nicht im Sendegebiet wohnen zur Verfügung steht.
Mehr Infos gibt es hier.

Weitere Infos zu Eek A Mouse findet ihr hier.

Hier gibts den Video-Jingle.

------------short englisch information------------

For all those who want to listen to the original english version of the interview, tune in to Darktales Radio-Show on October 16th from 7p.m. to 8.30 p.m. on Raggakings.net. It will be broadcasted also in the Darktales Radio-Show pon Radio Bermudafunk (October 19th - 4p.m. to 5p.m.). There will be an internetstream, too. More infos ´bout the shows: Here.

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Darktales | 6.10.2005